Nachdem Osiris in die Unterwelt eingetreten war, begann ein achtzig Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen Horus und Seth, die beide den Thron des Osiris’ für sich beanspruchten. Als oberster Richter saß Re vor, doch auch andere Götter waren an der Entscheidung beteiligt – jedoch waren sie sich uneins, konnten keine Einigung erzielen. Einige Götter sahen Horus als Osiris’ Sohn von Rechtswegen als den legitimen Nachfolger an. Andere hielten Horus schlichtweg für zu jung und unerfahren, um diese gewichtige Aufgabe ausfüllen zu können, während sie in Seth einen starken und mächtigen Führer sahen.
Ehe ich nun in den Ablauf des Rechtsstreites und die unmittelbaren Auseinandersetzungen der beiden Kontrahenten einsteige, will ich noch einmal einen Blick auf unser Lieblingsserie wagen: Die Situation, die wir zu Beginn der nächsten Staffel vorfinden dürften, ist der im Mythos ziemlich ähnlich. Jacob ist (vermutlich) tot und wir haben neben seinem Mörder „Samuel“ (Ben war wohl mehr ein Werkzeug) noch andere, die die Herrschaft über die Insel beanspruchen könnten, um das entstandene Machtvakuum zu füllen:
· Ben (recht wahrscheinlich): Obgleich Ben maßgeblich an Jacobs Tod beteiligt war, tat er dies aufgrund einer von „Samuel“ eingeleiteten Intrige. Wenn Ben realisiert, was wirklich passiert ist, ist es überaus wahrscheinlich, dass er alles daran setzen wird „Samuel“ zu bekämpfen. Als Jacobs Auserwählter und Statthalter unter den Anderen könnte er einen legitimen Anspruch auf dessen Position haben – stellt sich nur die Frage, ob er diesen auch tatsächlich geltend machen würde.
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John (möglich): Sollte John wieder zum Leben erwachen (vielleicht ja sogar durch Jacobs Opfer) wäre dies nicht nur eine Parallele zu Osiris, sondern könnte auch heißen, dass er der ist, „der uns alle retten wird“. War John letztlich nicht nur „Samuels“ Marionette, die er benötigte, um Ben und Jacob eine Falle zu stellen, ist es naheliegend, dass er tatsächlich zu etwas auserwählt war und zwar zu Jacobs Nachfolge.
· Christian (unwahrscheinlich): Christians Rolle bleibt derzeit noch ziemlich im D

unkeln. Es wäre möglich, dass seine Erscheinung auf der Insel in Wahrheit „Samuel“, das Monster oder beides war. Wenn dem jedoch nicht so ist, könnte er tatsächlich mit Jacob in Kontakt stehen und für dessen Nachfolge vorgesehen sein.
· Richard (überaus wahrscheinlich): Richard war vermutlich über Jahrhunderte hinweg Jacobs rechte Hand, ist vielleicht sogar – genau wie Jacob und „Samuel“ – nicht einmal ein Mensch. Obgleich Ben offiziell der Anführer der Anderen und Jacob der Herrscher der Insel war, war Richard in gewisser Weise die mächtigste Person auf der Insel, da er stets die Freiheit/Möglichkeit gehabt hätte, entweder Jacobs Anweisungen zu ignorieren oder eigene Befehle und/oder Ansichten als die Jacobs auszugeben.
· Ilana (recht wahrscheinlich): Ilana scheint außerhalb der Insel eine ähnliche einflussreiche Position gehabt zu haben wie Ben oder Richard auf der Insel. Da sie pünktlich zu Jacobs vermeintlichen Tod an der Statue eintrifft und wir bislang nicht wissen, worum Jacob sie letztlich gebeten hat, als er sie besuchte, wäre sie eine mögliche Kandidatin.
· Cerberus (denkbar): Nehmen wir an, dass Cerberus als dritte Kraft neben Jacob und „Samuel“ existiert, könnte es selbst die Herrschaft beanspruchen oder zumindest über „Samuel“ richten.
· Jack (könnte sich noch entwickeln): Bislang weiß Jack noch nichts von Jacob, aber es liegen noch 18 Episoden, in denen eine Menge passieren kann, vor uns. Jack wurde klar als großer Anführer ausgewiesen und das könnte ein Hinweis darauf sein, dass es seien Bestimmung ist, Jacobs Nachfolge anzutreten, wozu er jedoch erst dessen Widersacher aus dem Weg räumen müsste.
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Claire (denkbar): Wir können davon ausgehen, dass Claire noch eine überaus wichtige Rolle zu spielen haben wird. Christians und Bens Interesse an ihr, könnten darauf hindeuten, dass Jacob noch etwas besonderes mit ihr vor hat, was in keinem Zusammenhang mit Aaron steht. Ferner war Claire in der Lage, Kate von der Insel aus in Form einer Art Erscheinung zu kontaktieren. Sollte sich Claires Warnung tatsächlich auf Locke bezogen haben, könnte dies bedeuten, dass sie nicht wollte, dass Kate „Samuel“ Lockes Leiche mitbringt, die er zur Ausführung seines Plans benötigte.
· Aaron (wäre auch eine Möglichkeit): Aaron ist das erste Kind, das seit langer Zeit auf der Insel geboren wurde. Auch die Umstände seiner Zeugung und die Warnungen Richard Malkins weisen genau wie das Interesse der Anderen auf eine Sonderstellung Aarons hin. Warum zum Beispiel hatte Ben so ein unglaubliches Interesse an ihm? Nur um Kate auf die Insel zurückzudrängen? Immerhin reden wir hier von Ben – da muss mehr dahinter gesteckt haben, denn sonst hätte er einfach Carole Littleton die Wahrheit gesteckt und sie den Rechtsstreit ums Sorgerecht mit Kate vom Zaun brechen lassen. Doch erinterveniert selbst, versucht sogar das Sorgerecht zu erschleichen.
· Charles (möglich): Charles könnte Anspruch auf die Insel erheben, denn dies tat er schon in der Vergangenheit, aber durchkommen wird er damit wohl kaum.
· Eine uns noch unbekannte Person (wahrscheinlich): Genauso gut könnte Jacob seinen Nachfolger in spe schon längst erwählt haben. Weder wissen wir, was es mit der Gestalt in der Hütte auf sich hat, noch können wir sagen, ob es nicht noch andere wie Jacob und „Samuel“ gibt. „Lennon“ könnte da eine Möglichkeit sein.

Da die Götter des Gerichtshofes keine Einigung erzielen konnten, beschlossen sie eine weitere Gottheit um Rat zu bitten. Sie wandten sich an Neith – eine überaus mächtige wie weise Kriegsgöttin, die in Sais (Stadt im Nildelta) lebte. Obgleich Neith eindeutig für Horus votierte, wollte sie der Fairness halber eine reiche Entschädigung für Seth erwirken – er sollte nicht leer ausgehen. So schlug die angerufene Schiedsrichterin also vor, dass Horus zwar die Königswürde zufallen solle, Seth im Gegenzug aber mit großen Schätzen und zwei Göttinnen aus Syrien, Anat und Asarte (Töchter des Re), entschädigt werden sollte. Trotz Neiths Rat und der damit einhergehenden Warnung, dass der Himmel auf Ägypten hinabstürzen werde, sollte Horus nicht Thronerbe werden, kam das Gericht noch immer zu keiner Einigung. Als die Debatte sich immer weiter aufheizte, beleidigte Baba Re, indem er ihm unterstellte, sein Schrein sei leer (unter Göttern wohl der Gipfel der Unverschämtheit... unsereins hat nicht mal einen Schrein, der leer sein könnte). Re spielte zumindest die beleidigte Leberwurst (okay, die gab’s damals wohl noch nicht, aber das ist mir wurst – nur um irgendwelchen Klugscheißerkommentaren vorzubeugen) und zog sich schmollend aus dem Gericht zurück und kam erst wieder, nachdem seine Tochter (aber auch Gemahlin) Hathor ihm mit ’nem kleinen Striptease aufgemuntert hatte.
Da aber auch den anderen Göttern langsam langweilig wurde, beschloss man den Rechtsstreit auf eine Insel zu verlegen. Da man Isis als Horus’ Mutter mittlerweile für befangen befunden hatte, sollte sie von der Fortführung des Verfahrens ferngehalten werden und man trug dem Fährmann auf, sie nicht überzusetzen. Die listige Isis war jedoch eine Meisterin der Täuschung und verwandelte sich selbst in eine greise Hexe, um den Fährmann zu täuschen, der sie nun doch zur Insel übersetzte. Allerdings war der Fährmann nicht der einzige, den sie täuschen wolle und so verwandelte sich Isis – auf der Insel angekommen – in eine wunderschöne, junge Frau und wandte sich in dieser Gestalt an Seth. Sie stellte sich ihrem Bruder als Witwe eines Hirten vor, der erst vor kurzer Zeit verstorben sei, und trug Seth „ihre“ Geschichte vor. Nach dem Tod ihres Mannes sei sie mit ihrem kleinen Sohn allein gewesen, als ein Fremder aufgetaucht sei und erst ihr Vieh gestohlen hätte und dann ihren Sohn aus dem Haus hätte werfen wollen. Wie zu erwarten fiel Seth auf die List rein und verurteilte das Verhalten des „Fremden“ und somit sein eigenes aus Schärfste. Seth selbst hatte nun den Urteilsspruch gegen sich verhängt.
Auch diese „List“ finden wir in „Lost“ wieder, denn Isis’ Trick entspricht dem, was auch „Samuel“ tut, um Ben gegen Jacob aufzubringen. Er nimmt eine andere Gestalt an, um Ben, der selbst ein Meister der Manipulation ist, so zu manipulieren, dass er letztlich mehrfach gegen seine eigene Überzeugung handelt und schlussendlich „Samuel“ als Werkzeug dient, um Jacob zu ermorden. Daher könnte uns der nun folgende Wettkampf vielleicht – wenn auch nicht in seinem exakten Inhalt, sondern allenfalls im groben Verlauf – einen Hinweis auf den Kampf zwischen Ben (oder auch Locke) und „Samuel“ geben.
Seth gab sich nämlich keineswegs geschlagen und forderte Horus zu einem Wettstreit heraus: Willkommen zu: „Horus vs. Seth“ oder „Seth vs. Horus“! Der Wettkampf: Wer kann in der Gestalt eines Nilpferdes länger unter Wasser bleiben? Die Regeln: Wer vor Ablauf von drei Monaten auftaucht, hat verloren. Der Verlierer wird bestraft, indem er seinen Anspruch auf den Thron verliert.
Als Nilpferde steigen die zwei Streithähne bzw. Streitnilpferde also in den...? Genau: Nil. Sie steigen als Nilpferde in den Nil, denn – Achtung: Es folgt das schlimmste Wortspiel aller Zeiten! – wären sie in die See gestiegen, wären’s ja Seepferde. Isis konnte es natürlich wieder

nicht lassen, sich einzumischen und besorgte sich erst einmal eine Harpune, mit der sie Seth töten wollte. Ich will hier mal kurz einwerfen, dass Isis, wohl die Regeln nicht richtig gelesen hatte, denn Tote können nicht mehr auftauchen, wodurch Seth zwar tot gewesen wäre, aber das „Ich-kann-länger-als-Sie“-Spielchen (Und ja, die Ente blieb draußen) in jedem Fall gewonnen hätte. Allerdings konnte Isis eh’ nicht zielen und traf statt Seth das andere Nilpferd, also Horus. Obwohl Isis in Panik geriet, gelang es ihr mit Hilfe ihrer Magie die Harpune zu entfernen. Beim zweiten Mal traf sie das richtige Nilpferd, doch appellierte Seth an ihr gewissen und gemahnte sie der geschwisterlichen Bande, so dass Isis auch die zweite Harpune, die ihr Ziel nicht einmal verfehlt hatte, doch wieder entfernte.
Letztlich wurden die beiden Kontrahenten immer wütender und ihr Zorn richtete sich nun nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen Isis. Es war Horus, der erbost über das Verhalten seiner Mutter zuerst auftauchte und Isis attackierte. Rasend vor Zorn schlug er Isis den Kopf ab und ihr Körper verwandelte sich zu einer Feuersteinstatue. Erschrocken über sich selbst wurde Horus klar, dass er überreagiert hatte (ach, echt? Ist doch sonst ganz normal die eigene Mutter zu enthaupten...). Aber es wird noch wirscher: Horus bekam Panik, weil er Bestrafung fürchtete. Andere hätten jetzt einfach das Weite gesucht, aber Horus nahm die Trophäe...ähm....nein, also den Kopf seiner Mutter mit und floh damit in eine Oase in der westlichen Wüste. Seth folgte Horus jedoch, in der Absicht, die Enthauptung seiner Schwester zu rächen. Denn Seth hatte seine Familie ja unheimlich lieb und würde sich niemals an einem seiner Geschwister vergreifen. Diese Art der Doppelmoral erinnert mich persönlich an einen gewissen Iraker.

Seth fand Horus zumindest unter einem Baum und weil Verstümmelungen von Familienmitgliedern bei ägyptischen Göttern offenkundig ein beliebter Freizeitsport war, stach Seth Horus das linke Auge aus (in manchen Versionen sogar beide). Es wurde begraben und erstand als Lotusblüte neu. Horus erhielt eine steinerne Prothese: Das Udjat-Auge, welches bis heute – basierend auf dem Mythos – als Symbol der Heilung gilt. Ferner galt daher das linke Auge als der Mond, während das rechte die Sonne symbolisierte (in einigen Mythen wird dies auch über die Augen Res gesagt). Von besonderer Bedeutung für uns sind die Augen des Horus als Symbole für Heilung und Regeneration, aber auch der Gestirne, weil Horus’ rechtes Auge ein zentrales Motiv von Jacobs Wandteppich bildet. Es steht hier offenkundig zunächst einmal für die Sonne, könnte aber in diesem speziellen Zusammenhang auch die heilenden Kräfte der Insel symbolisieren. Der Vollständigkeit wegen sei noch kurz angeführt, dass es ebenfalls eine Fassung des Mythos gibt, in dem Hathor die ausgestochenen Augen mit Gazellenmilch heilt. Sowie ebenfalls eine Version existiert, nach der Horus das Auge während eines Duells mit Seth auf dem Nil (also auf Barken) durchbohrt wird.
Nach dieser gewalttätigen Auseinandersetzung sahen die übrigen Götter ein, dass der Konflikt endgültig außer Kontrolle geraten war und zitierten die beiden Kontrahenten zurück zum Gerichtssaal. Isis erholte sich übrigens ganz gut von ihrer Verletzung – als Gott bringt einen halt selbst der Tod nicht um. Isis wurde magisch geheilt und ins Leben zurück geholt. Die nun folgende Passage rund um ein Götterbankett (ich an Horus’ Stelle hätte ja aus den Fehlern meines Vaters gelernt und kein Fest mehr besucht, bei dem auch Seth eingeladen ist) bedarf noch eine vorangehende Aufklärung über ägyptische Moralvorstellungen, die sich hinsichtlich der Sexualität – wie ihr sicher schon bemerkt habt – in weiten Teilen von den abendländisch-christlichgeprägten unterschieden. Zum einen gingen die Ägypter mit diesem Thema weitaus offener um – hätte es damals schon Fernseher gegeben, hätte man sicher auch Pornos im Nachmittagsprogramm zu sehen bekommen (für einige sicher ein verführerischer Gedanke ;-) ). Auch Inzest war – wie bereits an vielen Stellen aufgezeigt – nichts ungewöhnliches oder gar abstoßendes. Von den beiden Themen, die uns aber nun beschäftigen werden, ist eines sehr viel gewöhnlicher und ein anderes sehr viel abscheulicher. Homosexualität, die bei uns bis vor ein paar Jahren noch ein völliges Tabu war, war in den Anfängen des Alten Ägyptens nichts anstößiges – sofern sie auf gegenseitigem Einvernehmen beruhte. Erst im Neuen Reich taucht sie im Totenbuch als etwas verbotenes, sündiges auf. In unserer Gesellschaft verhält sich die Entwicklung eher umgekehrt. Eine für uns heute unvorstellbare Ansicht hatten die Ägypter bezüglich Vergewaltigungen. Allenfalls aus Kriegsberichten kennt man das „Phänomen“, dass Soldaten oder Krieger die Frauen des Feindes schänden, um ihm eine zusätzliche, nachhaltige Demütigung beizubringen. Derartige Kriegsverbrechen existieren leider bis heute. Doch während wir heutzutage stets den Vergewaltiger verurteilen würden, war es in der Antike eine besondere Schande für das „Opfer“. Es galt als Demütigung des Unterlegenen oder bereits besiegten Feindes und war leider keine unübliche Praxis.
Um seine eigene Stärke und Überlegenheit zu demonstrieren und Horus die größtmögliche Demütigung beizubringen, versuchet Seth seinen Neffen während des Bankettes zu vergewaltigen. Horus gelang es jedoch das Sperma Seths mit den Händen abzufangen, ehe es in seinen Körper eindringen konnte. Was machte Horus nun mit dem Samen in seiner Hand? Er ging damit zu seiner Mami und die bekam so einen Schreck, dass sie ihm die Hand abhackte – was auch sonst? – und sie in den Sumpf warf. Aber eine Göttin deren eigener Kopf wieder angeklebt wurde, hat ja kein Problem damit auch mal ’ne Hand nachwachsen zu lassen. Als das erledigt war, plante sie den Spieß umzudrehen und weil Horus wohl weder in der Lage noch Willens gewesen wäre, Seth zu vergewaltigen, verteilte er sein Sperma auf einem Salat, welcher Seths Leibspeise war – uns wundert ja mittlerweile gar nichts mehr. Der Plan ging auf: Seth aß den Salat mitsamt dem eigenwilligen Dressing in bester „Fight Club“-Manier... .
Bei der nächsten Versammlung vor Gericht wurden nun die Spermien von Horus und Seth aufgefordert, zu den anderen Göttern zu sprechen (wenn so etwas wirklich ginge, wäre Britt arbeitslos). Anstatt dass Seth Samen aus Horus’ Körper gesprochen hätte, sprach er aus dem Sumpf zu den Göttern. Doch Horus Samen sprach aus Seth und stieg als goldene Sonnescheibe aus Seths Haupt empor und bewies so seine göttliche Herkunft. Obgleich Seth nun als besiegter Feind gebrandmarkt war, gab er nicht auf und forderte Horus zu einem weiteren Wettstreit heraus: einem Bootsrennen.

Da uns ja ohnehin nichts mehr erschüttern kann, wird es nur die wenigsten noch wundern, dass die Boote für dieses Rennen aus Stein zu sein hatten. Wieder unterlag Seth Horus’ Findigkeit, denn der fand mal wieder ein kleines „Loophole“. Zwar schien sein Boot aus Stein zu sein, doch war es in Wirklichkeit aus Holz und nur wie aus Fels bemalt. Aufgrund der geschickten Täuschung schwamm Horus’ Boot, während Seths – wie zu erwarten – unterging. Aber Seth wäre nicht Seth, wenn er seine Niederlage einfach eingestanden hätte. Er verwandelte sich in ein Nilpferd (mal wieder) und stürmte wutentbrannt auf Horus’ Boot zu.
Jetzt hatten auch die anderen Götter endgültig die Schnauze voll von Seths Verhalten. Osiris schickte sogar eine Nachricht aus der Unterwelt, in der er den anderen Göttern drohte. So wurde Horus endlich als Thronerbe anerkannt (hätte man auch einfacher haben können – wir erinnern uns an Neith). Seth bekam eine lukrative Stelle bei Re und durfte im Himmel weiter donnern und Böses vertreiben bzw. fernhalten.
Von gesteigertem Interesse für uns ist das Ganze vor allem, da Horus – wie „Samuel“ – den Wettstreit durch Täuschung und List gewann und eine Art ewiger Kreislauf beschrieben wird – ein Prozess, der erst mit dem Sieg des Horus endet. „It only ends once. Anything that happens before that is just progress.“ Außerdem ist eine gewisse Ironie bezogen auf Seths Schicksal nicht von der Hand zu weisen: Er selbst täuscht Osiris und bekommt so überhaupt Anspruch auf den Thron, wird aber seinerseits von Osiris’ Sohn durch Täuschung und List nicht nur besiegt, sondern auch über die Maßen gedemütigt – meist aufgrund der eigenen Arroganz und Anmaßung.
Das war es nun für dieses Mal. Die nächste Ausgabe über Re geht vermutlich etwas schneller von der Hand. Rechnet mal Ende Oktober damit – irgendwann nach der Bundestagswahl werd ich wohl fertig ;-). Apropos: Wer von euch darf, sollte wählen gehen! Dafür geh' sogar ich ausm Haus^^. Als hätte ich geahnt, dass die Post zu blöd ist, die Briefwahlunterlagen in Bochum pünktlich zu verschicken. Empfehlungen gebe ich nicht ab, denn die haben hier erstens nichts verloren und zweitens wissen die meisten hier ja eh', wo ich mein Kreuzchen mache. Also bis zur nächsten Ausgabe, verbleibe ich wie üblich mit einem kleinen, aber herzlichen: